An der Uhr drehen kann sich lohnen

Rosemarie Seibel referiert in der Villa Havelmond

Viertel nach zwölf heißt die Metapher, die im Gedächtnis bleibt. Dinge, die einen in einer Endlosschleife gefangen halten, sollen „überschrieben“ werden, damit sich destruktives Verhalten nicht fortsetzt. Stress mit Mitmenschen, wiederkehrende ärgerliche Situationen, falsche Jobs. Das Thema interessiert viele Menschen. Selbst am Sonntagnachmittag, an dem die Brandenburger die Qual der Wahl zwischen Hunderten offenen Ateliers im Land haben, füllte sich die Villa Havelmond zum Kurzvortrag „Ich will mein Leben zurück“.

Rosemarie Seibel spricht klar und verständlich. Vieles aus der Esoterik-Szene ist ihr zu „spooky“, bekennt sie. Wohlwissend, dass nicht jeder Mensch mit Hellsichtigkeit etwas anfangen kann. Sich selbst in eine berufliche Schublade zu stecken, versucht die frühere Berufsreiterin gar nicht erst. Wer sich im Internet informiert, weiß, dass sie Pferdetherapeutin, spirituelle Lebensberaterin, Mentaltrainerin, Coach, Seelsorgerin und einiges mehr ist.

„Ich will mein Leben zurück.“ Wer das sagt, hatte einmal ein anderes, ein zufriedeneres Leben. Aber wann hörte das auf? Wo begann das eigene Leben, nicht mehr rund zu laufen? Das ist der fiktive Zeitpunkt „viertel nach zwölf“. Gelingt es, ihn gedanklich fünf Minuten vorzudrehen, lassen sich Situationen neu schreiben. Wie einen Roman. Was, wenn man sich anders entschieden hätte, einen anderen Weg gegangen wäre? Und dann schaut man, wie es 20 Minuten nach zwölf aussieht.

Klingt einfach? Ist es aber nicht. Denn Muster, die zum vermeintlichen „Steckenbleiben“ im Leben führen, verlaufen unbewusst. Wie 90 Prozent allen Erlebens. Dafür benötigt es einen Blick von außen.
Sie spricht über Grenzen, Nähe und Distanz, Emotionen, aber auch über ihren eigenen Weg, nach zwei schweren Unfällen zurück ins Leben zu kehren. Und warum sie ein Kreuz an der Kette trägt, obwohl sie nicht katholisch ist.

Soweit ein kurzer Einblick. Fragen? Jede Menge. Was, wenn sich gar kein Zeitpunkt bestimmen lässt? Beispielsweise, wenn Menschen aus finanziellen Nöten nicht herauskommen, wirtschaftlich nicht frei sind, obwohl sie fleißig und zielstrebig sind. Rosemarie Seibel sagt: „In meiner Erfahrung sind das oft Menschen, die zu viel für andere tun. Das kann mit Mangelempfinden und geringer Selbstliebe zusammenhängen, gerade wenn die Personen selbst ein ganz anderes Bild von sich haben.“ Nicht weniger unbequem: „Der, der am meisten tut, auf den wird man böse.“ Die gute Nachricht: man kann sich davon lösen. Das braucht manchmal eine Beratung, manchmal ein Seminar, mitunter mehrere Gespräche. (dm)

Zur Website von Rosemarie Seibel

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